Pedro Lenz: Sprechsprache-Schreibsprache - Über Literatur in der Umgangssprache (Kopie)

Universität St.Gallen

Pedro Lenz gehört zu den bekanntesten Autoren der Schweizer Gegenwartsliteratur. Er schreibt Romane und Kurzgeschichten, Kolumnen für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften sowie Texte für Theatergruppen und das Schweizer Radio. Bekanntheit über die Landesgrenzen hinaus erlangte er mit seinem 2010 erschienenen und inzwischen verfilmten Mundartroman «Der Goalie bin ig». Über das Verhältnis von Mundart und Schriftsprache in seinem literarischen Schaffen wird Pedro Lenz auch an den beiden Vortragsabenden in St.Gallen sprechen. In seiner Veranstaltungsankündigung schreibt er dazu:

Als Schriftsteller werde ich oft gefragt, wieso ich diesen oder jenen Text in Mundart geschrieben habe. Meistens gibt es auf diese Frage eine kurze und eine längere Antwort. Die kurze Antwort lautet: Weil ich in meiner eigenen Sprache schreiben wollte.

Es erscheint mir natürlich, Literatur in der eigenen Muttersprache zu verfassen. Selbstverständlich ist mir bewusst, dass diese Muttersprache keine schriftlich normierte Sprache ist. Ausserdem weiss ich, dass nicht alle Deutschsprachigen Schweizerinnen und Schweizer bereit sind, mundartlich verfasste Literatur zu lesen. Aber das bringt mich nicht davon ab, die Mundart literarisch zu verwenden.

Bei der längeren Antwort auf die Frage, weshalb ich in Mundart schreibe, geht es um Begriffe wie Klang, Rhythmus, Sprachmelodie, Nachbildung von Natürlichkeit oder Poesie des Alltags. In der Vorlesung möchte ich darauf zu sprechen kommen, wo mir die Mundart die literarische Arbeit erleichtert, was ich in Mundart besser ausdrücken kann, als in der Standardsprache und wo die Vor- und Nachteile einer Literatursprache liegen, die nicht vollständig genormt ist.
Zur Illustration meiner Gedanken verwende ich Textbeispiele zeitgenössischer Mundartliteratur aus der Schweiz.

Es sind für diese Vorlesung keine speziellen Vorkenntnisse nötig.

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